Wissen Sie was ein Oxymoron ist?

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Diese Entscheidung folgt einer im März 2014 von der Agentur für Arzneimittel-sicherheit (ANSM) ausgesprochenen Erlaubnis für die Therapie mit hohen Dosierungen bis 300mg/d. Ab diesem Datum konnte Baclofen für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit in einem für Ärzte und Patienten sicheren Rahmen verschrieben werden. Obwohl bereits weit verbreitet, war die Anwendung von Baclofen zu diesem Zweck bislang weder anerkannt noch geregelt.

 

Lange bevor jetzt die zuständigen Behörden Frankreichs „Grünes Licht“ für Baclofen gegeben haben, wurden über 100.000 Patienten mit Baclofen von einer großen Zahl von Ärzten behandelt. Ein Indikator dafür sind die steigenden Verkaufszahlen von Baclofen. Daten die Celtipharm, ein Pharma-Informationsdienst für Apotheker evaluiert, zeigen eine signifikante Zunahme des Verbrauchs von Baclofen. Im Zeitraum von September 2011 bis Ende August 2012 konnte über den Apotheken-Verbrauch festgestellt werden, dass 3,2 Millionen Schachteln Baclofen ausgeliefert wurden. Zwischen 1. März 2013 und 28. Februar 2014 waren es bereits 5 Mio. Packungen. Dies entspricht einer Zunahme von 47%.

 

Frankreich ist das erste Land, das die Anwendung und die Wirksamkeit dieses Medikaments im Kampf gegen den Alkoholismus ohne Einschränkung anerkennt. In Deutschland hört man zu diesem Thema nur „ohrenbetäubende Stille“. Zwei deutsche Ärzte, die seit einigen Jahren weit über 100 Patienten mit Baclofen „off-label“ behandelten, berichten: „Baclofen ist eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit zur Behandlung der Alkoholstörung, deren klinisch-praktische Erfolgsergebnisse in Deutschland weitgehend ignoriert werden. In der Ausgabe 32 des Magazins DER STERN von vergangener Woche, wird Dr. Cornelia Weigel zitiert: „Hierzulande sind die Ärzte viel zurückhaltender, und die Patienten empören sich nicht laut genug. Das Medikament sollte auch in Deutschland für alle Patienten zur Verfügung stehen, die es einnehmen möchten“.

 

Das Medikament ist sicher und in der Praxis nebenwirkungsarm. Die Off-Label-Verschreibung – in der Psychiatrie üblich – sollte in Anbetracht der erzielbaren Erfolgsraten (NNT = 2) kein Hindernis mehr sein. In Frankreich engagieren sich bereits über 900 Ärzte öffentlich für Baclofen, mehr als 10.000 nutzen es zum Wohl ihrer Patienten schon seit Jahren. 

 

Auch zur „off-label“ Verschreibung haben die beiden in der Suchtmedizin erfahrenen Ärzte, Cornelia Weigel und Ulrich Hammerla eine klare Meinung: „Baclofen wird oft nicht verwendet, da in Deutschland derzeit lediglich die „off-label“-Verschreibung möglich ist. Dabei wird tunlichst verschwiegen, dass auch eine Rechtspflicht zur „off-label“-Therapie besteht. Gebietet die Studienlage oder der wissenschaftliche Konsens den Einsatz eines Medikaments außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebietes, kann die unterlassene Verordnung einen Haftungsfall auslösen (Oberlandesgericht Köln vom 30.05.1990 – Az. 27 U 169/89).“

 

Unabhängig davon laufen in Frankreich zwei klinische Studien mit einer Gesamt-Teilnehmerzahl von 640 – in Deutschland läuft eine vergleichbare Studie seit Jahren mit lediglich 56 Teilnehmern. Die ersten Ergebnisse werden gegen Ende dieses Jahres erwartet. Die bisher in vorklinischen Studien evaluierten Zahlen deuten hin auf eine signifikant höhere Erfolgsrate, als bei allen anderen bislang gebräuchlichen Medikamenten.

Angesichts der Zahl von jährlich 74.000 Todesfällen durch die legale Droge Alkohol, ist es Zeit hinzusehen, hinzuhören oder zumindest einmal darüber zu reden. 

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